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Stechuhr an Uni-Klinik führt zu riesigem Streit
Ab sofort sind alle Klinik-Ärzte zur Stechuhr verdonnert. Reaktion: Boykott und Proteste.

Ein klassisches Beispiel - wie die Einführung einer Zeiterfassung nicht durchgeführt werden soll ...

Bis Freitag wurde an den Grazer Uni-Kliniken erbittert um die flächendeckende Einführung der "Stechuhr" gerungen. Sogar die Befürworter des Projekts - voran Vizerektor Karl-Heinz Tscheliessnigg und Kages-Vorstand Christian Kehrer - hatten Bauchweh und ließen ein Gutachten erstellen.

"Dienstpflicht". Doch in letzter Minute, exakt zum Dienstschluss um 15.30 Uhr, erhielten alle Bundes- und Landesärzte die Weisung, dass ab Montag die Anwesenheit an der Klinik rigoros und minutengenau zu dokumentieren ist. "Dieser Schritt braucht keine Zustimmung des Betriebsrates, denn vorerst geht es nur um ein reines Zeitprotokoll ohne rechtliche Folgen", so Tscheliessnigg. "Aus gegebenem Anlass" wurde den Ärzten allerdings mitgeteilt, "dass die Teilnahme an diesem Projekt eine Dienstpflicht darstellt."

Massiver Protest. Unter den Ärzten löst dies massiven Widerstand aus. Eine Umfrage ergab, dass 95 Prozent der Ärzte die Zeiterfassung ablehnen. Die Argumente: Man befürchtet, dass die Freiheit der Lehre eingeschränkt wird. Professoren dürfen nämlich auch zu Hause forschen. Weiters sei dieser Schritt demotivierend, "weil er das Misstrauen des Arbeitgebers ausdrückt", so Oberarzt Andreas Eherer. Ärztesprecher Peter Krisper verweigert die Stechuhr: "Es bedarf keiner großen Zivilcourage, nicht zu stechen." Dies sei aber kein organisierter Boykott, jeder müsse selbst entscheiden. Kages-Chef Kehrer räumt Informationsmängel ein, hält das Projekt aber für notwendig.

Artikel aus der "Kleine Zeitung" vom 30.09.2007 05:13